Waschbären in Kassel

Vor 70 Jahren wurden erstmals Waschbären in Deutschland am Edersee ausgesetzt. Zuerst besiedelten die Nordamerikaner nur das direkte Umland des Stausees. Nach dem 2. Weltkrieg waren sie schon über ganz Nordhessen verbreitet. Heute kommen sie in ganz Deutschland vor.

Die Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz e.V. (kurz GWN), die sich unter Leitung des Biologen Dr. Ulf Hohmann seit Jahren mit dem Verhalten der Waschbären beschäftigen, hat festgestellt, dass sich die kleinen Bären bei ihrem Siegeszug durch Deutschland auch besonders gern in Menschennähe ansiedeln.

Anfang der 60er Jahre, so berichtete eine Anwohnerin der Schanzenstraße in Kassel, sei sie erstmals den neuen exotischen Nachbarn begegnet. Frau Ruth Kaufmann sah damals gleich zwei der maskierten Pelzträger auf ihrem Dach neben dem Schornstein sitzen. „Die schauten einen ruhig an und hatten keine Angst“.

„Die Verstädterung des Waschbären ist in Kassel aufgrund der Nähe zum damaligen Aussetzungsgebiet besonders ausgeprägt. Kassel ist Europas Waschbärmetropole“, so das Resümee der GWN. Jeder zweite Bewohner der waldnahen Stadtteile Harleshausen, Kirchditmold oder Wilhelmshöhe hat schon seine Erfahrungen mit den Stadtstreichern gemacht.

Da die Interessen der bärigen Untermieter nicht immer mit den zweibeinigen Bewohnern in Einklang stehen, sind Konflikte vorprogrammiert. Dabei gehören geplünderte Obstbäume oder ausgeräumte Mülltonnen noch zu den Kavaliersdelikten. Nicht selten verschaffen sich die Bären auch Zugang zum Dachboden. „Da hört für viele der Spaß auf,“ meint Dipl. Biol. Stefanie Voigt, die sich in diesem Jahr im Auftrag der GWN zusammen mit drei Studenten aus Bielefeld, Halle und Göttingen den Stadtbären an die Fersen heften wird.

Ab Mai versucht die Forschergruppe im Westen Kassels, Waschbären in 60 kleinen Kastenfallen zu fangen und mit Halsbandsendern zu markieren. Anhand der Funksignale werden dann bis in den Winter hinein die Aufenthaltsorte der Tiere rund um die Uhr observiert. „Aufklärung der Anwohner und ein besseres Management der Bestände sind Ziele des Projektes“, berichtet Dr. Ulf Hohmann, „Die bisherige Praxis, zu warten bis ein Tier Schaden angerichtet und dann einen Jäger zu rufen, ist nur Symptombekämpfung ohne Konzept“. Da solche Untersuchungen sehr personal- und kostenintensiv sind, erhielt die GWN jetzt auf Initiative des Regierungspräsidiums und der Stadtverwaltung sogar Unterstützung durch das Land Hessen, das sich bereit erklärt hat, 18.000 DM aus der Jagdabgabe zur Verfügung zu stellen. Als die  Kassler Jägerschaft von der Finanzspritze erfuhr, hat sie sich spontan bereit erklärt, die Aktion mit weiteren 1000.- DM zu unterstützen.

Am Freitag, den 27.4.2001, soll nun das Forschungsprojekt der Kassler Bevölkerung um 19:00 Uhr im Lindenhof, Eschebergstr. 19, vorgestellt werden. „Ohne die Mithilfe der Kassler Stadtbewohner ist so eine Untersuchung nicht durchzuführen“, versichert Stefanie Voigt, „wir suchen zum Beispiel noch händeringend Grundstücke, wo wir unsere Fallen aufstellen können“. Zuvor um 18:00 Uhr wird für Pressevertreter eine Pressekonferenz gegeben. Neben dem Forscherteam werden u. a. Dr. Ruppert vom Regierungspräsidium anwesend sein. Zu sehen sind außerdem verschiedene Gerätschaften wie Fallen, Sender, Mikrochips etc.. Auch Fotomaterial wird zur Verfügung stehen.

Weiteres Bildmaterial, wie Forschungsbilder oder Waschbären in der Stadt, ist zu erhalten unter www.ingo-bartussek.de.