Presseinformation vom 20.4.2001
Vor
70 Jahren wurden erstmals Waschbären in Deutschland am Edersee
ausgesetzt. Zuerst besiedelten die Nordamerikaner nur das direkte Umland
des Stausees. Nach dem 2. Weltkrieg waren sie schon über ganz Nordhessen
verbreitet. Heute kommen sie in ganz Deutschland vor. Die
Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz e.V. (kurz GWN), die sich
unter Leitung des Biologen Dr. Ulf Hohmann seit Jahren mit dem Verhalten
der Waschbären beschäftigen, hat festgestellt, dass sich die kleinen Bären
bei ihrem Siegeszug durch Deutschland auch besonders gern in Menschennähe
ansiedeln. Anfang der 60er Jahre, so berichtete eine Anwohnerin der Schanzenstraße in Kassel, sei sie erstmals den neuen exotischen Nachbarn begegnet. Frau Ruth Kaufmann sah damals gleich zwei der maskierten Pelzträger auf ihrem Dach neben dem Schornstein sitzen. „Die schauten einen ruhig an und hatten keine Angst“. „Die
Verstädterung des Waschbären ist in Kassel aufgrund der Nähe zum
damaligen Aussetzungsgebiet besonders ausgeprägt. Kassel ist Europas
Waschbärmetropole“, so das Resümee der GWN. Jeder zweite Bewohner der
waldnahen Stadtteile Harleshausen, Kirchditmold oder Wilhelmshöhe hat
schon seine Erfahrungen mit den Stadtstreichern gemacht. Da
die Interessen der bärigen Untermieter nicht immer mit den zweibeinigen
Bewohnern in Einklang stehen, sind Konflikte vorprogrammiert. Dabei gehören
geplünderte Obstbäume oder ausgeräumte Mülltonnen noch zu den
Kavaliersdelikten. Nicht selten verschaffen sich die Bären auch Zugang
zum Dachboden. „Da hört für viele der Spaß auf,“ meint Dipl. Biol.
Stefanie Voigt, die sich in diesem Jahr im Auftrag der GWN zusammen mit
drei Studenten aus Bielefeld, Halle und Göttingen den Stadtbären an die
Fersen heften wird. Ab
Mai versucht die Forschergruppe im Westen Kassels, Waschbären in 60
kleinen Kastenfallen zu fangen und mit Halsbandsendern zu markieren.
Anhand der Funksignale werden dann bis in den Winter hinein die
Aufenthaltsorte der Tiere rund um die Uhr observiert. „Aufklärung der
Anwohner und ein besseres Management der Bestände sind Ziele des
Projektes“, berichtet Dr. Ulf Hohmann, „Die bisherige Praxis, zu
warten bis ein Tier Schaden angerichtet und dann einen Jäger zu rufen,
ist nur Symptombekämpfung ohne Konzept“. Da solche Untersuchungen sehr
personal- und kostenintensiv sind, erhielt die GWN jetzt auf Initiative
des Regierungspräsidiums und der Stadtverwaltung sogar Unterstützung
durch das Land Hessen, das sich bereit erklärt hat, 18.000 DM aus der
Jagdabgabe zur Verfügung zu stellen. Als die Kassler Jägerschaft von der Finanzspritze erfuhr, hat sie
sich spontan bereit erklärt, die Aktion mit weiteren 1000.- DM zu unterstützen. Am
Freitag, den 27.4.2001, soll nun das Forschungsprojekt der Kassler Bevölkerung
um 19:00 Uhr im Lindenhof, Eschebergstr. 19, vorgestellt werden. „Ohne
die Mithilfe der Kassler Stadtbewohner ist so eine Untersuchung nicht
durchzuführen“, versichert Stefanie Voigt, „wir suchen zum Beispiel
noch händeringend Grundstücke, wo wir unsere Fallen aufstellen können“.
Zuvor um 18:00 Uhr wird für Pressevertreter eine Pressekonferenz gegeben.
Neben dem Forscherteam werden u. a. Dr. Ruppert vom Regierungspräsidium
anwesend sein. Zu sehen sind außerdem verschiedene Gerätschaften wie
Fallen, Sender, Mikrochips etc.. Auch Fotomaterial wird zur Verfügung
stehen. Weiteres
Bildmaterial, wie Forschungsbilder oder Waschbären in der Stadt, ist zu
erhalten unter
Presseinformation vom 10.05.1999Forschungsmisere bringt junge Wildbiologen dazu neue Wege zu gehen! Die Geldknappheit der öffentlichen Hand führt seit Jahren zu einer immer stärkeren Vernachlässigung der Wildtierforschung in Deutschland. "EU-weit sind wir mittlerweile das Schlußlicht auf dem Gebiet der Wildtierforschung", sagt Dr. Andreas, Forstwissenschaftler aus Göttingen. Zu einseitig werden in der Biologie nur prestig- und gewinnträchtige Projekte, wie zum Beispiel die Gentechnologie, gefördert. Hase oder Rebhuhn verzeichnen einen alarmierenden Bestandsrückgang, Großsäuger wie Wolf, Bär und Luchs wollen sich wieder bei uns ansiedeln, aber die Jagdverbände, Landwirte und andere poteniell betroffene Teile der Bevölkerung werden mit diesem Phänomen gern allein gelassen. Ähnlich sieht es mit der Verstädterung vieler Wildtierarten wie Uhu, Wanderfalke, Marder oder Waschbär aus. Wir wissen kaum etwas über die spezielle Ökologie der verstädternden Arten: welche natürlichen Dichteregulatoren auch in den Städten greifen, wie die Konkurrenzverhältnisse liegen oder welche Gefahren durch die Verstädterung von Wildtieren lauern. "Wo in anderen Ländern längst Forschungsergebnisse auf dem Tisch liegen, fangen wir erst an, das Problem zu erkennen", beklagt sich Wildbiologe Dr. Ulf Hohmann. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, gründeten junge Wildbiologen jetzt die Gesellschaft fürWildökologie und Naturschutz e.V. (GWN). Die wissenschaftliche Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Wildtierforschung in Deutschland zu fördern. Hierfür werden Mittel aus Wirtschaft, Stiftungen und Spenden zweckgebunden für Grundlagenforschung und Artenschutzprojekte vergeben. Dazu wurde ein spezieller Forschungsfond angelegt. Besonders unterstützt die GWN Maßnahmen zu einem besseren Miteinander von Mensch und (Wild)-tier. Sie berät Naturschutz-, Umwelt- und Jagdbehörden sowie andere öffentliche oder private Entscheidungsträger in allen wildbiologischen und wildökologischen Belangen. Hierzu übernehmen die Wildbiologen der GWN Gutachten und Auftragsforschungen. Erste eigene Forschungsschwerpunkte sind das Artenschutzprojekt Wildkatze im Solling, die Urbanisierung von Raubsäugern, vor allem des Waschbären und das Management von Wasservögeln in Konfliktzonen.
Presseinformation vom 29.07.1999Zum Forschungsvorhaben: "Evaluierung der Populationsdichte des Waschbären im städtischen Lebensraum am Beispiel der Stadt Bad Karlshafen in Nordhessen" Der nordamerikanische Waschbär kommt erst seit 1933 in Europa vor und hat sich seit dieser Zeit weit über das ehemalige Aussetzungsgebiet in Nordhessen ausgebreitet. Parallel zu dieser Entwicklung muß spätenstens seit den 80er Jahren eine zunehmend Verstädterung dieser Raubtierart festgestellt werden. Die Anwesenheit des Waschbären im Siedlungsraum des Menschen äußert sich für die betroffenen Anwohnern in erster Linie durch Fraßschäden an Kulturobstpflanzungen, ausgeplünderten Mülltonnen oder Kompostanlagen oder Schäden auf Dachböden und ähnlichem mehr. In der Tat kann diese Raubwildart aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit und der Potenz, örtlich hohe Dichten zu erreichen, in Haus und Garten erheblichen Schaden anrichten. Trotz dieser Sachlage ist in Europa, im Gegensatz zu Amerika, bisher nicht einmal eine Untersuchung zur Abschätzung der Populationsdichte des Waschbären im urbanen Lebensraum durchgeführt worden. Jetzt hat die GWN durch die Iniziierung und fachliche Betreuung der oben genannten Studie einen ersten Schritt zur Schließung dieser Wissenlücke unternommen. Die Realisierung des Forschungsvorhabens erfolgt in Zusammenarbeit der Universität Göttingen. Die Arbeiten vor Ort und die spätere Auswertung werden von der Göttinger Biologiestudentin Stefanie Voigt im Rahmen ihrer Diplomarbeit durchgeführt. Die GWN weist daraufhin, daß diese Forschungsarbeit von der Stadtverwaltung und der örtlichen Jägerschaft begrüßt und unterstützt wird. Auch das Fernsehen hat schon Interesse bekundet und wird in Kürze über dieses Vorhaben berichten. Das Vorhaben: In Bad Karlshafen werden nördlich der Weser, zwischen August und Oktober, 30 Kastenfallen aufgestellt und mit Katzenfutter beködert. Die Fallen werden mehrmals täglich kontrolliert. Gefangene Waschbären werden mit Mikrochips (Sponsor Telinject GmbH) markiert und wieder freigelassen. Wiederfänge können mit Hilfe eines speziellen Lesegerätes erkannt werden. Das Verhältnis von Neufängen zu Wiederfängen erlaubt schließlich Aussagen zur Populationsgröße des befangenen Gebietes. Sollten einmal Hauskatzen oder Igel in die Fallen gehen, werden diese selbstverständlich sofort wieder freigelassen. |
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Presseinformation vom 06.11.2000 Zum
"International Symposium on the Urban Ecology of Birds and Mammals in
Europe, 11. bis 12. November 2000" Die Zeiten sind vorbei, wo man Wildtiere nur in menschenfernen Naturschutzgebieten beobachten konnte. Immer mehr Arten zieht es in die Städte, darunter nicht nur „Automarder“ oder Straßentauben. Mittlerweile tummeln sich in Stadtparks und Hinterhöfen auch Wildschweine, Füchse und Waschbären; aber auch bedrohte Arten wie Wanderfalken oder Uhus finden heutzutage in der City ein besseres Auskommen als in ihren natürlichen Lebensräumen. „Metropolen wie Berlin zählen heute sogar zu echten Naturschutzinseln, da man hier bereits mehr Pflanzen- und Tierarten vorfindet, als im außerstädtischen Umland“, sagt der Vorsitzende der GWN Dr. Uwe Andreas aus Buxtehude. Zusammen mit dem Göttinger Biologen Dr. Ulf Hohmann lädt Andreas am 11. und 12. November zu einem erstmalig europaweiten Treffen von Stadttierforschern auf Schloss Nienover bei Uslar, einer Außenstelle der Universität Göttingen. Mit dieser Veranstaltung empfiehlt sich die GWN erneut als eine der führenden Institutionen in diesem Forschungsbereich. Die sog. „Urbanisierung“ von Säugern und Vögeln wird im Rahmen von 24 Fachvorträgen aus 10 Nationen unter die Lupe genommen. Darunter Beiträge über Habichte in Hamburg, Rauchschwalben in Autoparkhäusern Spaniens, verwilderten Katzen in der Römischen Altstadt oder Erdhörnchen in Wiener Stadtparks. Die Veranstaltung stößt auch bei Kommunalverwaltungen auf großes Interesse, wo die vierbeinigen oder geflügelten Stadtstreicher nicht nur als Bereicherung der Umwelt angesehen werden. „Wildtiere können auch Krankheiten übertragen und die zoologische Stadtforschung steckt diesbezüglich bei uns noch in den Kinderschuhen“, sagt Hohmann. Zu der Veranstaltung mit dem Titel „Symposium on the Urban Ecology of Birds and Mammals in Europe“ sind alle Interessierten herzlich eingeladen, allerdings ist zu beachten, dass aufgrund des internationalen Publikums alle Vorträge in englischer Sprache gehalten werden. Nähere Infos sind im Internet abrufbar unter www.gwn.de (Link „Tagungen“). |
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